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Geschichte der PRG
120 Jahre Rudern in Potsdam -
Eine Erfolgsgeschichte ohne Ende
23.04.2003 von: Peter Frenkel
Rudern in Potsdam ist mit einer nicht enden wollenden Flut an Erfolgen, Medaillen und Triumphen verbunden. Schon zu DDR-Zeiten galt Dynamo Potsdam als erfolgreichster Club im DRSV und heute setzt sich mit den Erfolgen der Potsdamer Ruder-Gesellschaft diese Erfolgsspur nahtlos fort.Und die ist mit großen Namen verbunden: Beispiellos ist die legendäre Siegesserie der Landvoigt- Zwillinge mit 179 Siegen in 180 Rennen, darunter 3 olympischen Medaillen ( 2x Gold, 1x Bronze) und 6 Weltmeistertiteln. Aber auch andere Namen, wie der der heutigen Erfolgstrainerin Jutta Lau, Roswitha Zobelt, Kerstin Holtmeyer- Köppen, Martina Schröter, Birgit Peter, Beate Schramm, Ursula Pankraths, Rüdiger Reiche, BerndNiesecke, Carsten Schmeling, Bernd Krauß, Detlev Kirchhoff, Karl-Heinz Bußert, Kerstin El Qalqili und ihrer Zwillingsschwester Manja Kowalski und vor allem Katrin Boron, der erfolgreichsten Skullerin der Welt und viele mehr, stehen für Rudersport auf höchstem Niveau. Höhepunkt dieser Erfolgsgeschichte war zweifellos das Jahr 1988, als 15(!) Potsdamer Ruderinnen und Ruderer bei den Olympischen Spielen in Seoul zehnmal Gold, viermal Silber und einmal Bronze gewannen. Begonnen hatte alles mit dem WM-Sieg des Potsdamer Vierers mit (Grzeschuchna /Hänsel / Bagdonat / Melzer / Stm.Ludwig), im September 1966 in Bled.
Katrin Boron strebt nach der Geburt ihrer Tochter im nächsten Jahr ihre vierten Olympischen Spiele an. Sie ist auf dem besten Wege, sich ihren Traum von der vierten Goldmedaille durch Zielstrebigkeit, Fleiß und unbeugsamen Willen zu erfüllen. Welch ein Vorbild für die jungen Himmelsstürmer Christiane Huth, Dana Theilemann, Josephine Wartenberg, Katja Hagen und Antje Dressler, denen die Zukunft gehört, genau wie ihren männlichen Pendants Martin Zobelt, Thomas Köpke, Steffen Möller, Jörg Schulze und Karsten Brodowski, den Aspiranten für Olympia 2008.
Diese Kontinuität ist es, für die gut ausgebildete Trainer und Trainerinnen mit Engagement und Leidenschaft sorgen. Obwohl sich seit der „Wende“ einiges geändert hat: Aus Dynamo wurde 1990 die Potsdamer Ruder-Gesellschaft und der Großteil des Geländes nennt sich heute Bundesstützpunkt Rudern. Dessen Träger ist die PRG. Erfolge werden nach wie vor durch harte Arbeit und ein gutes Ausbildungssystem erreicht. Die PRG gewann in den letzten Jahren in ununterbrochener Reihenfolge den Dr. Ruperti- Preis beim Deutschen Meisterschafts- rudern, ist Seriensieger auf dem Eichkranz, hat bei den Jugendmeisterschaften zum 12.Male den Deutschen Jugendpokal gewonnen und last but not least errang der Landesruderverband Brandenburg auch bei den Jüngsten, den 12-14jährigen, zum wiederholten Male den 1.Platz. Das Jubiläum rechtfertigt eine kurze eindrucksvolle Bilanz der Erfolge:
Die Dynamo-Ruderer erkämpften 5 Europameistertitel, 34 WM-Siege, 14Olympische Goldmedaillen und 52 Juniorenweltmeistertitel, die Potsdamer Ruder- Gesellschaft errang 13 Welt-
meistertitel, 9 U-23 WM- und 4 Olympiasiege, dazu 27 Juniorenweltmeisterplaketten. Nach dem zweiten Weltkrieg standen Potsdamer Ruderinnen und Ruderer nicht weniger als 8220 mal auf dem Siegersteg! Von 1992-2002 errang allein die PRG davon 2271 Siege.
Peter Langbehn, der langjährige Vorsitzende der Potsdamer Ruder-Gesellschaft, sagt das mit Stolz und Anerkennung für all die vielen Übungsleiter und Trainer, ohne deren selbstlosen Einsatz so etwas nicht möglich gewesen wäre. Mit stolzgeschwellter Brust hat er deshalb die Trophäen immer stellvertretend für seine tollen Mannschaften entgegengenommen. Welch deutscher Verein kann eine solche Erfolgsbilanz vorweisen?
Der Beginn
Begonnen hat alles im Jahre 1883, in dem innerhalb kurzer Zeit zwei Klubs, Vineta und PRC ins Leben gerufen wurden. Das Verdienst, die Urzelle der Potsdamer Ruderei gelegt zu haben, kommt fünf älteren Oberrealschülern zu, die am 03.Mai 1883, einem Donnerstag, beschlossen, einen Ruderclub zur„Förderung der körperlichen Kraft und zum Zwecke des Zusammenhalts und Vergnügens“ zu gründen. (W.Pape /E. Reichenbach /W. Kohlmorgen / O.Pape und O. Matthies). Es war Interesse und Spaß am Sport, was die jungen Leute zu diesen Aktivitäten veranlasste, obwohl ihre Mittel mehr als beschränkt waren.
Doch das einzigartige Ruderrevier, um das Potsdam von vielen beneidet wird, hat unzählige junge Leute zum Rudern gebracht. Nach dem Beitritt zum Deutschen Ruderverband im Jahre 1887 konnte man auch Regatten bestreiten, doch erst 1891 war es soweit, dass die Potsdamer mit einem in England gebauten Vierer mit in Grünau starteten. Leider verhinderte die im Rollsitz eingeklemmte Hose des Schlagmanns den fast sicheren Sieg.
Im Juni 1895 erfolgte die feierliche Einweihung des ersten massiven Bootshauses in Potsdam. Die exponierte Lage an der Glienicker Brücke brachte der Vineta großen Zulauf.
Schon ein Jahr später wurde das 100. Mitglied aufgenommen. Von Bedeutung für das Vereinsleben war die Herausgabe einer Vereinszeitung, die erstmalig am 01.Januar 1906 erschien und die Mitglieder über das Leben und Treiben im Verein und darüber hinaus unterrichtete. Diese Clubzeitung erschien ununterbrochen bis zum Kriegsende 1945.
Ende der zwanziger bis in die dreißiger Jahre hinein sind in den Annalen der Stadt sieben „reine“ Rudervereine vermerkt.
Der erste deutsche Meistertitel
1921 holte ein Vierer mit des PRC ( Helmut Dreßler /R.Gorke /Hugo Dreßler / E. Schmaedig, Steuermann W. Finke ) den ersten Deutschen Meistertitel nach Potsdam und sicherte sich damit einen Ehrenplatz in der Potsdamer Rudergeschichte.
Apropos Dreßler. Diese Familiendynastie ist untrennbar mit dem Rudersport in dieser Stadt verbunden. Großvater Hugo Dreßler fuhr schon 1894/96 im PRC, sein Sohn Helmut
wurde mit ihm Deutscher Meister, dessen Sohn Hans –Jürgen war nach dem zweiten Weltkrieg 1949 zusammen mit Alfred Großkopf, einer weiteren Ruderlegende, Ostzonenmeister und dann 1950 und 1951 im Doppelzweier DDR-Meister, sein Bruder Roland saß im Achter und Vierer mit die Ostzonenmeister wurden.
In der 5. Generation rudert nun Hans-Jürgens Enkeltochter Antje Dressler, und wenn nicht alles täuscht, wächst da eine zukünftige Olympionikin heran. Schon mit knapp 10 Jahren saß Antje im Boot, wenig später fuhr sie im Mix-Vierer ihr erstes Rennen- und wurde Letzte. Ein nachhaltiges Erlebnis. Mit 17 wird sie 2002 in Litauen Vizeweltmeisterin im Doppelvierer. Was kommt, liegt an ihr.
Der erste Deutsche Meister Helmut Dreßler hat übrigens die Bootshallen im Seekrug konzipiert, seine Söhne Hans-Jürgen und Roland haben sie mit aufgebaut.
Womit wir wieder am Templiner See sind, wo am 03.Mai die große Festveranstaltung im gesamten Gelände gefeiert wird. Zuvor aber wird es nach einem Empfang für die Ehrengäste in der benachbarten LBS dann auf dem Festgelände Ansprachen von Peter Langbehn geben, vom Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, der dem Sport in Brandenburg sehr zugetan ist und von Helmut Griep, dem Präsidenten des DRV. Nach Ehrungen und Bootstaufen erfolgt die Ausfahrt der geschmückten Boote, die von einem Dampfer mit den Ehrengästen begleitet werden, zur Havelbucht, wo die Oberbürgermeister von Potsdam und die OB´s der Partnerstädte Luzern und Bonn die Ruderer begrüßen. Während die Ruderarmada zum Seekrug zurückkehrt, nimmt der Dampfer Kurs auf die ehemaligen Standorte der Bootshäuser des PRC und der Vineta, um nach dem Gedenken ebenfalls zum Festgelände zurückzukehren.
Potsdamer Künstler werden dort die Gäste unterhalten, unter denen auch Alfred Großkopf , Kurt Senger, die Dresslers und viele, viele Medaillengewinner von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sein werden. Wie heißt es doch so schön- einmal Ruderer, immer Ruderer ! Sie alle werden sich viel zu erzählen haben und schon nach vorn schauen, wenn im Sommer des nächsten Jahres im Ursprungsland der Olympischen Spiele, Griechenland, die Ruderinnen und hoffentlich auch Ruderer vom Seekrug an den Start gehen. Eine gute Einstimmung auf die wichtige vorolympische Saison, die in den kommenden Tagen Schlag auf Schlag die Spreu vom Weizen trennt und Ende August mit den Weltmeisterschaften in Mailand Ihren diesjährigen Höhepunkt bereithält.