Was für eine Reise, was für ein Abenteuer! Wir bringen unvergessliche Erinnerungen, jede Menge Stolz und ein riesiges Lächeln im Gesicht mit nach Hause. Wir, das sind die Ruderfreunde der PRG Potsdam mit Gästen aus Berlin-Tegel, Rotenburg und Frankfurt am Main – insgesamt eine bunte Truppe von 28 Personen. Unser gemeinsames Ziel: Die legendäre Vogalonga in Venedig. 2026 fand sie zum fünfzigsten Mal statt!
Die Vogalonga (Voga – rudern und longa – lange), die im Jahr 1975 als Protest gegen motorisierte Boote ins Leben gerufen wurde, hat sich seither zu einer weltbekannten Veranstaltung entwickelt, die den Schutz der Lagunen und der Natur sowie den Zusammenhalt unter Wassersportlern feiert. Hier geht es nicht darum, Bestzeiten aufzustellen oder „perfekt“ zu sein. Es geht um den gemeinsamen Protest gegen den Motorverkehr in der Lagune, um die sportliche Herausforderung und vor allem um den Spaß am gemeinsamen Erleben. Sieger wird das schönste Boot.
Die Vorbereitung & Das Camp-Leben
Schon im letzten Sommer startete Chefplaner Heiko die Umfrage in Spond – der Zuspruch war riesig und das Projekt konnte beginnen. Zuerst wurde die „Johanna“, das Kirchboot des LVBW, angefragt und bald war klar, dass wir noch ein zweites Boot benötigen, das wir netterweise von den Spandauer Friesen leihen konnten. Diese traditionellen Holzboote, die mit fest am Rand verankerten Riemen gerudert werden, sind einfach perfekt für das unruhige Wasser der Lagune. Ob die Anmeldung aller Ruderer, die Bootstransporte, die An- und Abreise, die Liegeplätze oder die Buchung der Unterkunft: Ein riesiges Dankeschön geht an dieser Stelle vor allem an Heiko, der mit der tollen Unterstützung von Ilka, Patricia und Annett all diese Aufgaben gemeistert und alles so perfekt für uns auf die Beine gestellt hat.
Für den Bootstransport aus Baden-Württemberg ging die Reise schon am Dienstag, den 26.05.26 los, der Rest der Mannschaft startete fast vollzählig am Mittwoch, den 20.05.26 aus Potsdam, Frankfurt/Main und Rotenburg. Alle kamen fast gleichzeitig abends in Cavallino-Treporti an. Selbst unsere Bootstransporter schafften es nach längeren und anstrengenden Umwegen. Vor Ort war die Freude über das Wiedersehen riesig! Alte Freundschaften wurden erneuert, neue geschlossen und alle Strapazen waren sofort vergessen. Unsere gemeinsame Unterkunft war ein absoluter Traum. In Bungalows direkt in Strandnähe, hatten wir jeden Tag die Möglichkeit, im Meer zu schwimmen, abends an langen Tischen im Strandrestaurant gemeinsam zu tafeln oder am Strand zu picknicken.
Die zwei Tage davor: Rhythmus finden
Am Donnerstag wurden die Boote am Forte Treporti aufgerickt und mit dem Kran ins Wasser gehoben. Die Mannschaften fanden sich schnell zusammen und schon ging es los: Zuerst durch die Lagune zur Insel Torcello und zurück am malerischen Burano vorbei. Am Freitag haben wir die Strecke auf dann schon fast 30 km erhöht und sind entlang des Lido gerudert So hatten wir einen wundervollen Blick auf Venedig und den Startplatz der Vogalonga. Auf dem Lido haben wir uns ein Eis gegönnt. La Dolce Vita muss ja sein.
Das Rudern auf dem ständig bewegten Meer, der ungewohnte Bootsverkehr, die für viele ungewohnte Riementechnik im Kirchboot und die Hitze forderten uns zwar deutlich mehr als unsere heimischen Havelausfahrten, doch schon nach kurzer Zeit hatten wir unseren gemeinsamen Rhythmus gefunden – und jede schöne Aussicht machte die Strapazen sofort wieder wett.
Am Samstag gönnten wir uns dann einen freien Tag, um Kraft für die anstehende Herausforderung zu schöpfen. Während einige Venedig und die Biennale besuchten oder mit dem Vaporetto nach Burano fuhren, entschieden sich andere für einen herrlich gechillten Tag am Strand.
Der Tag der Vogalonga: Ein buntes Spektakel
Und dann war er endlich da – der große Tag der Vogalonga. Die Aufregung war riesig: Würden wir es schaffen, der Strecke (fast 50 km in Summe) und der Hitze zu trotzen. Die Boote ohne Kratzer oder gebrochene Riemen heil durch Venedig zu bekommen? Das Wetter hätte jedenfalls nicht besser mitspielen können. Bei strahlendem Sonnenschein und tiefblauem Himmel bot die 50. Jubiläums-Vogalonga eine Traumkulisse für mehr als 8.000 Teilnehmende und 2.000 Boote aller Größen und dem nicht zu schätzenden Publikum überall entlang der Strecke. Start und Ziel befanden sich unter dem Dogenpalast im Markusbecken. Eine unglaubliche Energie lag in der Luft und das gesamte Wasser erstrahlte in den buntesten Farben. Unzählige Boote hatten sich herausgeputzt – ob mit kreativen Kostümen, bunten Fahnen Blumen oder Musik. Mittendrin wir: unverkennbar in unseren Vereinsshirts, den roten Kappen und mit unseren auffälligen Kirchbooten!
Als der traditionelle Kanonenschuss ertönte, gab es im riesigen Getümmel kein Halten mehr. Vom Markusbecken aus führte uns die Route über den Canale delle Navi, vorbei an den malerischen Inseln Burano, Mazzorbo und Murano und schließlich hinein in den Canale di Cannaregio. Die Fahrt durch die Lagune und anschließend auf dem Canale Grande durch die Rialtobrücke waren schlicht überwältigend. Auf der Strecke gab es immer wieder Engpässe, aber genau das hat riesigen Spaß gemacht! Trotz des dichten Gedränges herrschte eine absolut fantastische Stimmung: Ruderer aus den verschiedensten Ländern feuerten sich gegenseitig an und machten das Chaos zu einem riesigen, gemeinsamen Fest.
Das größte Nadelöhr wartete allerdings am Eingang des Canale di Cannaregio. Doch genau dieser Engpass wurde zu einem echten Highlight: Knapp zwei Stunden steckten wir hier fest – um uns herum lief Musik, es wurde gesungen, gelacht und auf den Booten getanzt. Das war ein großartiges Zusammengehörigkeitsgefühl und Gänsehautfeeling pur! Es war dort sogar so eng, dass Polizeitaucher im Einsatz waren, die die Boote Stück für Stück sortierten und den Knoten mit jeder Welle lösten – ein absolut faszinierendes Erlebnis.
Das Finale wartete dann im Canale Grande auf Höhe der Basilica della Salute – ein unvergessliches Spektakel! Es hat uns tief berührt, wie viele Menschen uns vom Ufer aus zujubelten und klatschten. Sicher taten sie das aufgrund der wichtigen Message zum Schutz der Lagune, aber bestimmt auch, weil dieses bunte Treiben für sie ein wunderschöner Anblick war. Für uns bleibt es jedenfalls ein absolut fantastisches Erlebnis fürs Leben. Mit dem Gedanken an den eiskalten Aperol Spritz, der uns an unserem Strand erwarten würde, haben wir schließlich die letzte Herausforderung gemeistert: den acht Kilometer langen kräfte- und nervenzehrenden Rückweg zu unserem Hafen Forte Treporti. Zugegeben, nach diesem langen, intensiven Tag war die Rückfahrt alles andere als einfach und die Hitze hat uns noch einmal alles abverlangt. Gemeinsames Singen im Boot hat geholfen!
Was bleibt...
Nach 46,54 Kilometern und etwas über zehn Stunden kamen wir erschöpft, aber überglücklich wieder im Forte Treporti an. Der Tag war nicht nur ein Triumph auf sportlicher Ebene, sondern auch ein echter emotionaler Höhepunkt, der am Abend natürlich noch gebührend gefeiert wurde.
In Erinnerung bleibt auch das absolute Highlight abseits des Wassers: Wie fantastisch wir als bunte Truppe harmoniert haben. Es wurde wahnsinnig viel gelacht, erzählt und gefeiert – eine rundum geniale Zeit, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird!
Für uns steht jedenfalls fest: Wir sind auf jeden Fall wieder dabei, wenn es heißt: Auf die Kirchboote, fertig, los nach Venedig!


